Der Wecker klingelt, der Daumen drückt „Schlummern“, und alles beginnt von vorn. Die Schlummertaste gehört für viele so fest zum Morgen wie der Kaffee. Wer sie loswerden will, braucht weniger Willenskraft als ein paar Kniffe – und darf wissen, dass Snoozen kein Drama ist.
Wie verbreitet ist Snoozen?
Sehr. In einer Befragung von Forschenden der Universität Stockholm unter 1.732 Menschen gaben laut der Pressemitteilung zur Studie 69 Prozent an, zumindest manchmal die Schlummertaste oder mehrere Wecker zu nutzen; wer snoozte, tat das im Schnitt 22 Minuten lang. Besonders verbreitet war es bei jungen Erwachsenen und Abendmenschen. Eine Auswertung von gut drei Millionen Nächten aus der App Sleep Cycle kam 2025 zu einem ähnlichen Bild: 55,6 Prozent der aufgezeichneten Nächte endeten mit Snoozen, im Schnitt 10,8 Minuten lang. Häufiger gesnoozt wurde unter der Woche und nach Nächten, in denen die Nutzer später als sonst ins Bett gegangen waren.
Quellen: Sundelin, Landry, Axelsson: „Is snoozing losing?“, Journal of Sleep Research 2024; Robbins und andere: „Snooze alarm use in a global population of smartphone users“, Scientific Reports 2025.
Ist Snoozen schlecht?
Die Antwort fällt entspannter aus, als viele denken. Im zweiten Teil der Stockholmer Studie verbrachten 31 Menschen, die gewohnheitsmäßig snoozen, zwei Nächte im Schlaflabor. An einem Morgen durften sie 30 Minuten snoozen, am anderen mussten sie beim Klingeln sofort aufstehen. In der halben Stunde Snoozen schliefen die meisten trotzdem mehr als 20 Minuten; insgesamt fehlten rund sechs Minuten Schlaf. Aus dem Tiefschlaf gerissen wurde niemand, in Denkaufgaben direkt nach dem Aufwachen schnitten sie gleich gut oder etwas besser ab, und auf Stimmung, Müdigkeit und das Stresshormon Cortisol zeigte sich kein klarer Effekt.
Das heißt nicht, dass Snoozen eine gute Idee ist, nur dass es kein Grund zur Sorge ist. Wer es sich abgewöhnen will, gewinnt vor allem eines: eine letzte halbe Stunde Schlaf am Stück statt in Stücken.
Warum das Aufstehen so schwerfällt
Der zähe Moment nach dem Klingeln hat einen Namen: Schlaftrunkenheit. Laut einer Übersichtsarbeit von Hilditch und McHill klingt sie meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten ab, ganz vorbei ist sie oft erst nach einer Stunde oder später. Stärker ist sie nach zu wenig Schlaf und wenn der Wecker aus tiefem Schlaf reißt. Quelle: „Sleep inertia: current insights“, Nature and Science of Sleep 2019.
7 Tricks gegen die Schlummertaste
Den Wecker außer Reichweite stellen
Wer zum Ausschalten aufstehen muss, steht schon. Das Handy liegt dann nicht auf dem Nachttisch, sondern ein paar Schritte entfernt, laut genug eingestellt, dass du es sicher hörst. Ein altes Handy als Wecker eignet sich dafür gut – das eigene Handy kann dann ganz draußen bleiben.
Die echte Aufstehzeit stellen
Wer den Wecker auf 6 Uhr stellt und bis 6:30 Uhr snoozt, zerstückelt die letzte halbe Stunde der Nacht. Stell den Wecker gleich auf die Zeit, zu der du aufstehen musst. Dann schläfst du bis dahin am Stück, und das Klingeln bedeutet wirklich: aufstehen.
Schlummern begrenzen
Einmal Schlummern ist ein Kompromiss, unbegrenztes Schlummern eine Einladung. In der Weckzentrale legst du für jeden Wecker fest, ob Schlummern erlaubt ist, wie lange – von 1 bis 30 Minuten – und wie oft: einmal, zweimal, dreimal, fünfmal, zehnmal oder unbegrenzt. Der Knopf beim Klingeln zählt mit, wie oft noch geschlummert werden darf.
Das Ausschalten schwerer machen
Mit der Aufwach-Aufgabe geht der Wecker erst aus, wenn eine Rechenaufgabe wie „9 × 6 + 32“ gelöst ist. Das verhindert, dass du ihn im Halbschlaf ausschaltest und wieder einschläfst. Schlummern bleibt ohne Aufgabe möglich – deshalb die Aufgabe am besten mit begrenztem Schlummern kombinieren. Mehr dazu unter Wecker mit Rechenaufgabe.
Licht an
Licht ist der wichtigste Zeitgeber der inneren Uhr. Es sorgt dafür, dass der Körper die Produktion des schlaffördernden Hormons Melatonin beendet; deshalb hilft natürliches Morgenlicht beim Wachwerden, wie das Gesundheitsportal gesund.bund.de erklärt. Also: Vorhang auf oder Licht an, sobald der Wecker klingelt.
Möglichst jeden Tag ähnlich aufstehen
Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus gehört laut gesund.bund.de zu den Faktoren, die gegen Schlafprobleme helfen können, und unregelmäßiger Schlaf kann die innere Uhr aus dem Takt bringen. Wer unter der Woche um 6:30 Uhr und am Wochenende um 10 Uhr aufsteht, macht es ihr schwer. Mit getrennten Wecker-Gruppen für Arbeitstage und Wochenende lässt sich der Abstand Schritt für Schritt verkleinern.
Früher schlafen gehen
Snoozen hängt oft mit zu wenig Schlaf zusammen: In der Stockholmer Befragung schliefen Menschen, die snoozen, häufiger kürzer, und in den Sleep-Cycle-Daten wurde nach späterem Zubettgehen öfter gesnoozt. Erwachsene schlafen laut gesund.bund.de im Schnitt etwa sieben Stunden. Wer um 6:30 Uhr aufstehen muss und selten vor Mitternacht einschläft, bekommt sie kaum zusammen. Wie leicht früheres Schlafen fällt, hängt auch vom Chronotyp ab.
So stellst du es in der Weckzentrale ein
- Wecker öffnen
In der Wecker-Übersicht den Wecker antippen, den du ändern willst.
- Schlummern einstellen
Im Abschnitt „Schlummern“ den Schalter „Schlummern erlauben“ ausschalten – oder Dauer und „Wie oft“ knapp wählen, etwa zehn Minuten und einmal.
- Aufwach-Aufgabe wählen
Unter „Aufwach-Aufgabe“ die Option „Rechenaufgabe lösen, um auszuschalten“ wählen und speichern.


Für neue Wecker gelten die Werte unter Einstellungen → Standardwerte → „Für neue Wecker“. Ab Werk stehen dort zehn Minuten und dreimal Schlummern. Was die Schlummerfunktion ist und woher sie kommt, erklärt das Glossar.
Diese Tricks helfen gegen eine Gewohnheit, nicht gegen eine Schlafstörung. Wer trotz ausreichend Zeit im Bett morgens kaum wach wird, tagsüber ständig müde ist oder schlecht ein- und durchschläft, sollte das ärztlich abklären lassen.