Kurz-Fakten
- Englischer Fachbegriff: Sleep Inertia
- Am stärksten in den ersten 30 Minuten nach dem Aufwachen
- Vollständig abgeklungen erst nach mindestens einer Stunde
- Stärker nach Schlafmangel und beim Aufwachen in der biologischen Nacht
- Tritt auch bei ausgeschlafenen Menschen auf
Einordnung
Was direkt nach dem Aufwachen passiert
Das Gehirn braucht nach dem Aufwachen eine Weile, bis es wieder voll arbeitet. Messungen zeigen, dass die Blutflussgeschwindigkeit im Gehirn bis zu einer halben Stunde unter dem Wert vor dem Einschlafen bleibt, und im EEG sind langsame Wellen, die zum Tiefschlaf gehören, noch verstärkt. Reaktionszeit, Rechnen und Entscheidungen leiden in dieser Phase deutlich: In einer Studie rechneten Versuchspersonen direkt nach dem Aufwachen schlechter als nach einer durchwachten Nacht. Auf das eigene Gefühl ist dabei wenig Verlass. In Studien erholte sich das Gefühl, wach zu sein, nicht immer im selben Tempo wie die tatsächliche Leistung.
Was sie verstärkt
Laut einem Übersichtsartikel von Hilditch und McHill (2019) fällt die Schlaftrunkenheit stärker aus, wenn man vorher zu wenig geschlafen hat oder in der biologischen Nacht aufwacht, also nahe dem nächtlichen Tief der Körpertemperatur. Auch das Aufwachen aus dem Tiefschlaf kann sie verstärken; wie groß dieser Einfluss ist, wird in der Forschung allerdings diskutiert. Nach kurzen Nickerchen tritt sie seltener auf, vermutlich weil der Tiefschlaf meist erst nach etwa 30 Minuten beginnt. Mehr dazu unter Powernap.
Warum sie im Alltag zählt
Schlaftrunkenheit ist vor allem dort ein Thema, wo man kurz nach dem Aufwachen Auto fährt, wichtige Entscheidungen trifft oder sicherheitskritisch arbeitet. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) weist in ihrem Ratgeber zur Schichtarbeit darauf hin, dass die Leistungsfähigkeit direkt nach dem Aufwachen bis hin zur schweren Schlaftrunkenheit beeinträchtigt sein kann. Ein Nickerchen während der Schicht ist deshalb nicht unproblematisch, wenn man bei Alarm sofort reagieren muss.
In der Weckzentrale
Die Weckzentrale misst keinen Schlaf und erkennt keine Schlafphasen; sie klingelt zur eingestellten Zeit. Wer im Halbschlaf gern sofort ausschaltet, kann als Aufwach-Aufgabe „Rechenaufgabe lösen, um auszuschalten“ wählen. Stoppen lässt sich der Wecker dann erst, wenn eine Aufgabe wie „9 × 6 + 32 = ?“ gelöst ist. Schlummern bleibt ohne Aufgabe möglich.