Kurz-Fakten
- Englischer Fachbegriff: Arousal Threshold
- Sie hängt ab von Schlafstadium, Zeitpunkt der Nacht, vorheriger Wachdauer, Alter und Medikamenten
- Schlafmittel erhöhen die Weckschwelle, anregende Mittel senken sie
- Studie mit 176 Kindern (2019): Ein Rauchmelder-Ton weckte 53 Prozent, Alarme mit der Stimme der Mutter 86 bis 91 Prozent
Einordnung
Wie Schlaftiefe gemessen wird
Wie tief jemand schläft, lässt sich nicht direkt sehen. Die Schlafforschung bestimmt es laut Dorsch Lexikon der Psychologie üblicherweise über die Weckschwelle, definiert über den Widerstand, den der Organismus einer Unterbrechung des Schlafes entgegensetzt. Nach dieser Methode ist der Schlaf im ersten Drittel der Nacht am tiefsten und im letzten am leichtesten. Die Höhe der Schwelle hängt vom Schlafstadium ab, vom Zeitpunkt der Nacht, von der inneren Uhr, davon, wie lange man vorher wach war, vom Alter und von Medikamenten: Schlafmittel erhöhen sie, anregende Mittel senken sie.
Warum Kinder Alarme verschlafen
Besonders gut untersucht ist die Weckschwelle bei Kindern, weil es um Rauchmelder geht. Eine US-Arbeitsgruppe um Gary A. Smith weckte Kinder unter kontrollierten Bedingungen gezielt aus dem Tiefschlaf:
- 2006, 24 Kinder von 6 bis 12 Jahren: Bei 100 Dezibel wachten mit der aufgezeichneten Stimme eines Elternteils 23 Kinder auf, mit einem herkömmlichen Rauchmelder-Ton 14. Mit der Stimme dauerte es im Median 20 Sekunden, mit dem Ton 3 Minuten.
- 2019, 176 Kinder von 5 bis 12 Jahren: Der Ton weckte 53 Prozent, Alarme mit der Stimme der Mutter 86 bis 91 Prozent. Den Vornamen des Kindes zu nennen, änderte nichts.
- 2020, dieselbe Altersgruppe: Ein tiefer Ton mit 500 Hertz weckte 88 Prozent, ein hoher Ton nur 49 Prozent.
- 2022, Auswertung von 540 Kindern: Mit jedem Lebensjahr wachten mehr Kinder auf. Die Forschenden halten fest, dass Rauchmelder Kinder schwerer wecken als Erwachsene.
Die Studien untersuchten Rauchmelder, nicht Wecker. Sie zeigen aber, warum manche Kinder morgens erstaunlich schwer wach werden – mehr dazu im Ratgeber Kinder morgens wecken.
Was das für den Wecker bedeutet
Lauter ist nicht automatisch besser: In den Studien entschieden Art und Tonhöhe des Signals mit. Wer schwer wach wird, kann den Reiz verändern – ein anderer Klang, Vibration, Licht oder ein Wecker, der nicht nach einem Tipp verstummt. Ideen dafür sammelt der Ratgeber Tiefschläfer wecken.
Verwandte Begriffe
- Schlaftiefe, Schlaftiefenmessung (Dorsch Lexikon der Psychologie)
- Smith u. a.: Comparison of a personalized parent voice smoke alarm with a conventional residential tone smoke alarm for awakening children (Pediatrics, 2006)
- Smith u. a.: Effectiveness of a Voice Smoke Alarm Using the Child’s Name for Sleeping Children (Journal of Pediatrics, 2019)
- Smith u. a.: Age-Dependent Responsiveness to Smoke Alarm Signals Among Children (Pediatrics, 2022)