Um 6 Uhr ist die Schicht vorbei, um 7 Uhr liegst du im Bett – und um 11 Uhr bist du wach, obwohl der Körper nach mehr verlangt. Wer nachts arbeitet, kennt das. Tagschlaf ist schwierig, und das liegt nicht an mangelnder Disziplin, sondern an der inneren Uhr. Einiges lässt sich trotzdem verbessern.
Warum der Tagschlaf so schwerfällt
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) beschreibt es deutlich: Im Vergleich zum ruhigen Nachtschlaf enthält der Tagschlaf weniger Tiefschlaf- und Traumphasen, ist häufiger unterbrochen und insgesamt kürzer. Er kann deshalb nicht einfach als verschobener Nachtschlaf angesehen werden. Laut dem Ratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) liegt die Schlafdauer nach Nachtschichten in rotierenden Schichten im Schnitt unter sechs Stunden.
Der Grund ist die innere Uhr. Schon ältere Laborstudien zeigten, dass Schlaf, der morgens beginnt, besonders kurz ausfällt, weil der Körper dann auf Wachsein eingestellt ist. Vollständig an Nachtarbeit anpassen können sich laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) weniger als drei Prozent der Beschäftigten; etwa ein Drittel der Nachtschichtarbeitenden stellt sich laut DGSM innerhalb von zwei bis drei Nächten zumindest um.
Der Heimweg
Helles Tageslicht auf dem Heimweg signalisiert dem Körper Tagesbeginn. Die DGUV rät deshalb, helles Licht zu meiden, und nennt Brillen, die Helligkeit und Blaulichtanteil reduzieren, etwa mit orangefarbenen Gläsern; die DGSM empfiehlt im Sommer eine Sonnenbrille. Beide Hinweise haben eine Grenze: Wer nach der Schicht sehr müde ist, erhöht mit einer solchen Brille laut DGUV das Risiko im Straßenverkehr.
Überhaupt ist die Fahrt nach Hause heikel. Müdigkeit erhöht die Unfallgefahr, besonders gefährlich ist der Sekundenschlaf, und das Risiko steigt mit mehreren Nachtschichten in Folge. Günstiger ist es laut DGUV, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen.
10 Tipps für den Tagschlaf
Den Schlafraum abdunkeln
Dunkle Vorhänge, Rollläden oder eine Schlafmaske. Die DGUV rät außerdem, nicht benötigte Lichtquellen im Schlafzimmer ganz abzuschalten – auch Standby-Leuchten.
Kühl und frisch
Die Raumtemperatur sollte laut DGSM niedrig sein; die DGUV ergänzt: eher kühl als warm und mit ausreichend frischer Luft.
Für Ruhe sorgen
Ein ruhig gelegener Raum, Ohrstöpsel oder leise Hintergrundmusik gegen Straßenlärm. Das Handy schaltest du in einen Ruhemodus; die Weckzentrale trägst du dort als erlaubte App ein, damit ihr Wecker durchkommt – siehe Nicht stören.
Die Familie einbeziehen
Die DGUV empfiehlt, den Schichtplan den Familienmitgliedern mitzuteilen und die Schlafzeiten vorab für alle erkennbar festzulegen, mit Anfang und Ende. Das nimmt Kindern und Partnern das Rätseln, wann Ruhe herrschen muss.
Koffein rechtzeitig weglassen
Die DGSM rät, in den vier Stunden vor dem Schlafen keine koffeinhaltigen Getränke mehr zu trinken. Die DGUV nennt drei Stunden und empfiehlt, im letzten Drittel der Schicht ganz auf Kaffee, Tee, Cola oder Energydrinks zu verzichten.
Kein Feierabendbier
Alkohol verkürzt die Einschlafzeit, verschlechtert aber laut DGUV Schlafdauer, Schlafqualität und Erholung. Als Einschlafhilfe ist er ungeeignet.
Leicht oder gar nicht essen
Nach der Nachtschicht noch etwas zu essen, ist laut DGUV meist nicht nötig; bei Hunger reicht eine kleine, leichte Mahlzeit. Hauptmahlzeiten gehören auf den Tag. Hungrig ins Bett gehen sollte man laut DGSM aber auch nicht.
Schlaf aufteilen
Wer nach vier Stunden aufwacht, muss nicht verzweifeln. Die DGUV beschreibt das Schlafen in Raten: drei bis vier Stunden am Vormittag und drei bis vier Stunden am späteren Nachmittag. Dazwischen hilft ein Spaziergang von 20 bis 30 Minuten dem Körper, seinen Rhythmus zu halten – aber nicht kurz vor dem Schlafen.
Vor der nächsten Nacht vorschlafen
Die DGSM empfiehlt vor Beginn der Nachtschicht einen Tagesschlaf von ein bis zwei Stunden. Wenn es der Betrieb zulässt, kann laut DGUV während der Schicht ein Kurzschlaf von bis zu zehn Minuten die Erholung unterstützen. Die DGSM weist darauf hin, dass man direkt nach dem Aufwachen zunächst benommen sein kann – mehr dazu unter Schlaftrunkenheit und Powernap.
Nach der letzten Nachtschicht umstellen
Wer schwer in den normalen Rhythmus zurückfindet, kann laut DGUV den Tagschlaf nach der letzten Nachtschicht kürzen, um abends müde zu sein. Wer dauerhaft nachts arbeitet, sollte laut DGSM dagegen immer zu festen Zeiten schlafen – auch an freien Tagen.
Wecker und Handy im Tagschlaf
- Eigene Gruppe „Nachtschicht“ mit dem Wecker nach dem Tagschlaf und einem für das Vorschlafen – wie das mit Früh- und Spätschicht zusammenpasst, zeigt Wecker für den Schichtdienst.
- Countdown fürs Vorschlafen: eineinhalb Stunden einstellen, hinlegen, fertig.
- Dunkle Uhr: Der Nachttisch-Modus dimmt die Anzeige weit herunter und zeigt auf Wunsch Rotlicht.
- Zeitumstellung beachten: In der Nacht zum 25. Oktober 2026 dauert eine Schicht von 22 bis 6 Uhr neun Stunden, siehe Zeitumstellung am 25. Oktober.
- Doppelt sichern: Wer nach dem Tagschlaf schwer wach wird, findet Einstellungen im Ratgeber Tiefschläfer wecken; wie dunkle Wintermorgen leichter werden, steht unter Aufstehen im Dunkeln.
Was Betriebe tun sollten – und was dir zusteht
Die DGUV betont, dass Beschäftigte die gesundheitlichen Folgen von Schichtarbeit mit ihrem Verhalten nur begrenzt beeinflussen können; die Gestaltung der Schichtarbeit hat Vorrang. Die BAuA empfiehlt unter anderem möglichst wenige Nachtschichten in Folge – höchstens drei –, nach einem Nachtschichtblock idealerweise mindestens zwei freie Tage und vorwärts rotierende Schichtpläne. Nachtarbeitnehmer haben nach § 6 des Arbeitszeitgesetzes außerdem das Recht, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach mindestens alle drei Jahre arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen, ab 50 Jahren jährlich, auf Kosten des Arbeitgebers. Mehr zu den Regeln steht unter Schichtarbeit.
Treten im Zusammenhang mit Schichtarbeit immer wieder Schlafprobleme auf, ist das laut DGUV ein Anlass, eine betriebsärztliche oder schlafmedizinische Sprechstunde aufzusuchen. Schlafmittel sind eine ärztliche Entscheidung und kein Mittel, das man sich selbst verordnet.
- DGSM: Ratgeber „Schlafprobleme bei Schichtarbeit“ (PDF)
- DGUV Information 206-027: Leben mit Schichtarbeit – Tipps für Beschäftigte (Ausgabe Juni 2025)
- BAuA: baua: Fokus Nachtarbeit und Dauernachtarbeit (PDF, 2023) und Nacht- und Schichtarbeit
- Åkerstedt, Gillberg: The circadian variation of experimentally displaced sleep, Sleep 1981
- § 6 Arbeitszeitgesetz