Kurz-Fakten
- Den Begriff prägten Wittmann, Dinich, Merrow und Roenneberg 2006
- Berechnung: Schlafmitte an freien Tagen minus Schlafmitte an Arbeitstagen
- Späte Chronotypen haben die größten Unterschiede
- Eine Studie von 2012 fand einen Zusammenhang mit einem höheren Body-Mass-Index
Einordnung
So wird er berechnet
Maßgeblich ist die Schlafmitte, also der Zeitpunkt genau zwischen Einschlafen und Aufwachen. Ein Beispiel: An Arbeitstagen schläft jemand von 23 Uhr bis 6:30 Uhr, die Schlafmitte liegt bei 2:45 Uhr. Am Wochenende schläft dieselbe Person von 1 Uhr bis 9:30 Uhr, die Mitte liegt bei 5:15 Uhr. Der soziale Jetlag beträgt zweieinhalb Stunden – so viel, als würde sie jedes Wochenende zweieinhalb Zeitzonen nach Westen fliegen und am Montag zurück.
Woher der Begriff stammt
Geprägt hat ihn eine Arbeitsgruppe um den Münchner Chronobiologen Till Roenneberg. In der ersten Studie (Wittmann und Kollegen, 2006) füllten 501 Freiwillige einen Fragebogen zu ihren Schlafzeiten aus. Den Unterschied zwischen Arbeits- und freien Tagen, zwischen sozialer und biologischer Zeit, nannten die Forschenden „sozialen Jetlag“. Am größten war er bei späten Chronotypen. Roenneberg sagte 2018 in einem Interview der LMU München: „Wir stehen für unsere innere Uhren zu früh auf – sonst würden nicht über 80 Prozent einen Wecker benötigen, um an Werktagen aufzuwachen.“
Warum er untersucht wird
Eine große Studie in „Current Biology“ (Roenneberg und Kollegen, 2012) fand, dass sozialer Jetlag unabhängig von der Schlafdauer mit einem höheren Body-Mass-Index zusammenhing. Solche Zusammenhänge zeigen keine Ursache, sie erklären aber, warum die Forschung das Thema ernst nimmt.
Was die Differenz verkleinert
Die naheliegende Stellschraube ist der Wecker: ähnliche Aufstehzeiten an allen Tagen und Licht am Morgen, das die innere Uhr stellt. In der Weckzentrale liegen Wecker für Arbeitstage und Wochenende in getrennten Gruppen. So lässt sich die Wochenendzeit Schritt für Schritt an die Werktage heranrücken, ohne die Werktagswecker anzufassen. Weitere Anregungen stehen im Ratgeber Snoozen abgewöhnen.